Der SV stellt sich vor

Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) ist ein Dachverband musischer Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich, die gemeinsam singen, musizieren und Theater spielen. Ihm gehören derzeit 24 farbenführende Verbindungen an, die überwiegend zugleich Frauen und Männer aufnehmen.

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Nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Zeit des Nationalsozialismus

In den politischen Wirren und der wirtschaftlichen Notlage nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begann sich langsam wieder ein bescheidenes Verbindungsleben zu entfalten. Der Wunsch der aus dem Krieg Zurückgekehrten, den SV weiterleben zu lassen, überstand die äußeren Schwierigkeiten dieser Zeit. Der erste Verbandstag nach dem Krieg, 1919 in Marburg abgehalten, bekräftigte die 1914 verfaßten Leitsätze.

Bald schon blühte der Verband wieder auf. Noch 1919 wurden mit der Nordmark Hamburg und der Rheno-Skaldia in Köln zwei neue Mitglieder aufgenommen, und endlich gelang es auch unter der Führung von AH Brauns (GÖ), einen Gesamtphilisterverband zu gründen: Am 22. November 1919 wurde der VASV ins Leben gerufen.

Aber auch ein starker innerer Wille konnte natürlich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht hinwegzaubern, die die Jahre bis 1925 kennzeichneten. So wurde eine „Notgemeinschaft aller SVer“ gegründet, die notleidenden Verbandsbrüdern Unterstützung zukommen ließ, und kleine Bünde, die um das Überleben kämpfen mußten, wurden dadurch unterstützt, daß SVer, die die Hochschule wechseln wollten, verpflichtet wurden, an einen ihnen von der „Zentrale für planmäßige Ausdehnung des SV“ benannten Ort zu gehen. Bedeutete das einerseits eine starke Einschränkung der Freizügigkeit, kam es andererseits den schwachen Verbindungen zugute.

Im Jahre 1925 wurde nach dem Vorbild anderer studentischer Verbände die SV-Nadel als Verbandsabzeichen eingeführt. Sie dient gleichermaßen als Erkennungszeichen und tritt damit neben den SV-Pfiff, die ersten 4 Töne des Verbandsliedes. Das Verbandslied erfuhr wenig später eine Abänderung, als die 2. Strophe, die - im Geist des ausgehenden 19. Jahrhunderts - das Kaiserreich besang, durch eine neugedichtete Strophe abgelöst wurde, deren Text als zeitloser empfunden wurde.

Zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg traf sich der Sondershäuser Verband im Jahre 1929 wieder zu einem Verbandsfest. Es fand zu Pfingsten statt, wiederum in Sondershausen. Fünf Tage lang feierten die angereisten SVer, es fanden Konzerte statt, ein Festkommers wurde abgehalten, und das Festessen zählte ungefähr 2.200 Teilnehmer. Am Pfingstsonntag wurde auf dem Plateau der Hainleite, 1,5 km vom Possen entfernt, am Rondell, einem Aussichtspunkt über der Stadt, das Gefallenen-Ehrenmal eingeweiht. Das dritte Verbandsfest ist ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte des Verbandes geworden - vielleicht besonders im Lichte dessen, was in den kommenden Jahren auf den SV zukam.

Die politischen Themen am Ende der Weimarer Republik machten natürlich vor dem Sondershäuser Verband nicht halt, und so erfuhr der SV-Geist eine zunehmende Politisierung. Schon seit 1926 betrieb der Verband unter dem Begriff „Grenzlandarbeit“ Aufklärung und Bewußtseinsbildung über die Fragen der Grenzen des Reiches und ihre Folgen für die Deutschen in den Grenzgebieten, vor allem jenseits der von Versailles gezogenen Grenzlinien. Die dann in den 30er Jahren einsetzende politische Radikalisierung wirkte auch in den Verband hinein. Hervorzuheben ist allerdings, daß der SV auch unter wachsendem politischen Druck um seine Eigenständigkeit bemüht war.

Schon im Frühjahr 1933 begann die nationalsozialistische Einflußnahme. Der SV hatte „Erziehungsgemeinschaft“ zu sein und wurde nach dem Führerprinzip organisiert. Auf dem Verbandstag 1933 in Sondershausen formulierte der Verbandspräside Altenbach (DA), der jetzt „Reichsführer des SV“ genannt wurde, als Grundaufgabe des SV die „Erziehung im Sinne der Ehrhaftigkeit, der Wehrhaftigkeit und der Volksgemeinschaft.“ Das persönliche Leben der Studenten wurde fortan in zunehmendem Maße politisiert, die Korporationen und ihre Verbände als Mittel zum nationalsozialistischen Erziehungsziel benutzt.

Einige SV-Verbindungen unterzogen sich der Umformung in Kameradschaften, um in offiziell geduldetem Mantel dem äußeren Druck besser standzuhalten.

Im September 1934 mißlang ein erster Versuch der Nationalsozialisten, die studentischen Verbände zur Auflösung zu zwingen und ihre Mitglieder von der Deutschen Studentenschaft abhängig zu machen. Noch war der Selbstbehauptungswille stark genug.

Der SV nutzte diese Galgenfrist und veranstaltete 1935 noch einmal ein Verbandsfest in Sondershausen. Es kamen jedoch aufgrund der innenpolitischen Gesamtlage nur 900 Teilnehmer. Das Fest war das letzte große SV-Ereignis, bevor der amtierende „Reichsführer des SV“, AH Baum (WÜ), am 27. Oktober 1935 den Verband auflöste. Ende 1935 stellte auch die SV-Zeitung ihr Erscheinen ein.

Nur wenige der nun auf sich selbst gestellten Verbindungen konnten in den folgenden Jahren die Auflösung verhindern. Den Zeitgenossen schien die Geschichte des SV zu Ende zu sein. Der VASV führte zunächst seine Tätigkeit noch fort, bestrebt, den Zusammenhalt der SVer solange als möglich zu erhalten. Vier Jahre blieben noch Zeit, in denen vor allem eine Erinnerungsstätte für den Verband geschaffen wurde. Zu Pfingsten 1939 kamen ein letztes Mal etwa 100 Verbandsangehörige in Sondershausen zusammen. Im fürstlichen Schloß waren Erinnerungsräume für den Sondershäuser Verband eingerichtet worden, in denen die Fahnen des Verbandes und der aufgelösten Verbindungen, die Urschrift des ersten Kartellvertrages von 1867 und andere Stücke aufbewahrt wurden. Nach der Eröffnung dieser Räume beschloß der Vertretertag des VASV die Liquidation des Verbandes.

Die Wirren des Zweiten Weltkrieges und die Zerschlagung und Zerstückelung des Deutschen Reiches ließen die Kontakte unter den SVern abreißen, Verbindungen versiegten. Viele SVer kehrten nicht aus dem Krieg zurück oder starben in der Heimat. Die Gesamtzahl der toten und vermißten SVer wird sich nicht mehr ermitteln lassen. Mit dem letzten Zusammenbruch im Mai 1945 war auch die Zerstörung des alten SV vollkommen.

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