Der SV stellt sich vor

Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) ist ein Dachverband musischer Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich, die gemeinsam singen, musizieren und Theater spielen. Ihm gehören derzeit 24 farbenführende Verbindungen an, die überwiegend zugleich Frauen und Männer aufnehmen.

Mitglied werden!

Bis zum kleinen SV-Fest 1988 in Lorsch

Kurz nach dem Münchener Verbandsfest begann sich die Situation im Verband durch die einsetzende Studentenbewegung substantiell zu verändern. Der gemeinsame Vertretertag des SV und des VASV zu Pfingsten 1968 in Göttingen brachte auf der gemeinsamen Sitzung ein breites Fragenspektrum der Aktiven zur Reflexion über die alten Prinzipien. Der SV wählte als neuen Musikwart AH Prof. Katzenberger (M1, INN) zum Nachfolger von AH Prof. Sievers (WÜ), der lange Jahre die musischen Geschicke des Verbandes geleitet hatte.

Die Diskussion des Vertretertages um das musische Prinzip wurde auf der Marburger Musikwoche 1968 wieder aufgenommen. Die mangelnde Teilnahme verdeutlichte die Tendenz einiger Bünde, ihr Interesse vom Musischen auf andere Formen der Freizeitgestaltung zu verlagern. Auf der Musikwoche 1969, die der SV-Vertretertag als "Musik-Vertretertag" eingerichtet hatte, wurden Forderungen und Empfehlungen zum Musischen Prinzip beschlossen. Die Arbeitsgruppen befaßten sich mit den Möglichkeiten von Aufbau und Erhalt eines Chores oder Orchesters, der Stellung des SV in der Universität, der Mitgliedschaft von Damen und der Umformung von Struktur und Leben einer Verbindung nach rein musischen Gesichtspunkten. Wichtige Resultate dieses Vertretertages waren die Einrichtung einer zentralen Informationsstelle des SV zur Unterstützung der Mitgliederwerbung, die der SV-Zeitung in Aachen angegliedert wurde, und eine Musikzentralkartei zur Förderung der Musikarbeit im SV.

Auf einer Informationstagung des SV in Clausthal-Zellerfeld drängte sich die Frage über die Aufnahme von Damen als Vollmitglieder erstmalig in den Vordergrund. Der folgende Vertretertag 1970 in Mannheim stellte zwar die Unabhängigkeit der einzelnen Bünde heraus, lehnte aber das allgemeine Verkehrsrecht für Damen im SV ab. Der gleichzeitig tagende VASV beschloß, die Aufnahme von weiblichen Mitgliedern in die aktiven Bünde vorerst auszuschließen. Eine Ausnahme bildete allein die Studentengruppe 69 in Frankfurt, der die bereits praktizierte Aufnahme von Damen zur Sammlung von Erfahrungen mit dem Gemischtbund gestattet wurde.

Diesen Beschlüssen folgten in einer Reihe von SV-Verbindungen interne Auseinandersetzungen um die Damenfrage und eine angeregte, kontroverse Diskussion in der SV-Zeitung.

Im April 1971 kam es auf dem gemeinsamen Vertretertag des SV und VASV zu den „Kieler Beschlüssen“. Der aktive SV gab die Aufnahme von Studentinnen in die Mitgliedsverbindungen intern frei, während der VASV sie generell ablehnte und die aktiven Bünde aufforderte, sich dementsprechend zu verhalten.

Nachdem die AMV Würzburg 1971 ihr renoviertes Haus einweihen konnte, fand dort vom 13. bis 18. Juli 1972 das Doppeljubiläum zum 100. Stifungsfest der AMV Würzburg und zum 105. Stiftungsfest des SV statt. Fast 1.000 Verbandsmitglieder und Gäste waren zu dem großen Fest gekommen, das insbesondere den Aktiven die bekräftigende Einheit des Verbandes fühlbar machen sollte. Wiederum prägten neben den gesellschaftlichen Höhepunkten die musischen Darbietungen das Programm. Vor dem Hintergrund der Hochschulprobleme und der studentischen Unruhen Ende der 60er Jahre schob sich im SV eine Diskussion um "Korporation und Universität". Es schien an der Zeit, den Platz von Studentenverbindungen neu zu definieren. Auf dem Vertretertag 1973 des VASV in Erlangen wurde AH Paul Guillery (K, ER, R) zum neuen Vorsitzenden gewählt; sein Vorgänger, AH Karl Wibbelmann (GÖ, HH), wurde Ehrenvorsitzender des VASV.

Im Jahr darauf legte der neue Vorstand einen revidierten Entwurf der VASV-Satzung zur Diskussion in den Altherrenverbänden vor.

Unter der zwei Geschäftsjahre dauernden SV-Präsidenschaft von Bernd Schultheiß (F) kam es zur vorläufigen Entscheidung über die Damenfrage. Der Vertretertag 1975 in Münster hatte ein Gutachten des Verbandsschlichtungsamtes über die Wirkung der Kieler VASV-Beschlüsse gegenüber dem aktiven SV angefordert; außerdem wurde eine Kommission zur Überprüfung der SV-Satzung eingesetzt. Daraufhin konnte ein außerordentlicher Vertretertag des SV im Januar 1976 Entscheidungen treffen. In den „Bonner Beschlüssen“ wird die Vollmitgliedschaft von Studentinnen in den Mitgliedsverbindungen anerkannt; den Verbindungen, die die Aufnahme von Damen nicht praktizieren, ist die Festlegung der Stellung der andernorts aufgenommenen Damen ins eigene Ermessen gestellt. Damit standen sich SV und VASV in der Damenfrage gegensätzlich gegenüber.

Im Sommer 1976 mußte der SV von seinem Ehrenphilister AH Georgi (GÖ, AC) Abschied nehmen. Die durch seinen plötzlichen Tod vakante Aufgabe der Schriftleitung der SV-Zeitung wurde geteilt: Die Schriftleitung selbst wechselte in die Hände verdienstvoller Alter Herren, während die Redaktion und Anzeigenverwaltung von Frau Elisabeth Georgi in Aachen betreut wurde.

Der Vertretertag des VASV 1976 in Tübingen brachte lange und sachliche Diskussionen über den neugefaßten Satzungsvorschlag. Neu eingefügt wurde die Präambel über den Wahlspruch „Lied - Freundschaft - Vaterland“ und die Festschreibung von „Lebensbund“ und „Männerbund“. Die ausdrückliche Aufnahme des Männerbundgedankens war vor allem eine Reaktion auf die Bonner Beschlüsse des aktiven SV.

Einen großen musikalischen Höhepunkt stellte die konzertante Mitwirkung von über 100 SVern unter der Leitung von AH Katzenberger (M1, INN) und AH Schallehn (DA, INN) beim 17. Chorfest des Deutschen Sängerbundes 1976 in Berlin dar, in dessen Rahmen die AMV Berlin ihr 120. Stiftungsfest feierte.

Nachdem noch Anfang der 70er Jahre das musische Prinzip heftig diskutiert worden war, war diese Veranstaltung der Auftakt für eine ganze Reihe von musikalischen Unternehmungen im SV. So fand im Juli 1978 in Mainz ein Konzert mit dem „Mittelrheinischen Kammerchor“ statt, der 1977 von Hilger Schallehn aus SVern gegründet worden war. Neben verbindungsinternen Konzertabenden und den SV-Musikwochenenden wurde auf das Musikwochenende 1980 hingearbeitet, bei dem eine SV-Schallplatte aufgenommen wurde.

Auf dem Vertretertag 1978 wurde Alexander Schwab (M1) zum SV-Präsiden gewählt. Im Laufe seiner Amtszeit betonte er immer wieder die Zusammengehörigkeit im SV, spornte die musischen Aktivitäten an und benutzte die SV-Zeitung als Organ, alle SVer zu erreichen. Erste Erfolge zeigten sich auf dem Vertretertag 1979, zu dem Vertreter aller Mitgliedsbünde kamen.

Seine Nachfolger nahmen seinen Appell auf, auf die Belebung des SV hinzuwirken. Obwohl der Erfolg in den einzelnen Verbindungen sehr unterschiedlich war, konnte für das Verbandsfest 1982 große Begeisterung entfacht werden. Das im Juni 1982 in Nürnberg abgehaltene Fest wurde zu einem Höhepunkt in der SV-Geschichte. Die 2.000 Teilnehmer erlebten ein vom SV-Geist geprägtes Fest, das wieder aus gesellschaftlichen, korporativen und musikalischen Elementen zusammengesetzt war.

Im Jahre 1984 legte Hilger Schallehn (DA) nach 8jähriger Tätigkeit sein Amt als SV-Musikwart nieder und wurde von AH Uwe Schmidt (MZ) abgelöst.

Der VASV hatte das Amt des 1. Vorsitzenden im Jahre 1984 neu zu besetzen, nachdem der VASV-Vorsitzende Gerald Wenzl (M1, R) kurz vor seinem 60. Geburtstag plötzlich verstorben war. AH Ernst Roth (MR, MZ) wurde an die Spitze des VASV berufen. Nach einigen Jahren des Ruhens rückte die Damenfrage auf diesem Vertretertag wieder in den Vordergrund. Anlaß war die Aufnahme von philistrierten Damen in den AHV Göttingen. Nach kontroverser Diskussion zog der AHV Göttingen einen Antrag auf Änderung der VASV-Satzung zurück. Der Vertretertag bekräftigte die Beibehaltung des Männerbundprinzips mit 71 gegen 60 Stimmen. Am 24. April 1985 forderte der VASV-Vorstand den AHV Göttingen auf, seine satzungswidrigen Schritte zurückzunehmen. Göttingen blieb aber bei seiner Linie, und so wurde auf einem außerordentlichen Vertretertag am 26. Oktober 1985 in Würzburg der Antrag auf Ausschluß des AHV Göttingen gestellt. Er erreichte jedoch nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit. Daraufhin trat der VASV-Vorstand geschlossen zurück. Nach einigem Hin und Her wurde die sofortige Neuwahl beschlossen. AH Roth wurde mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt.

Der ordentliche Vertretertag 1986 des VASV hatte wiederum über Ausschlußanträge zu beschließen, die neben dem AHV Göttingen auch Hannover und Frankfurt betrafen. Während für die beiden letzteren die Stimmenmehrheit nicht zustande kam, wurde beschlossen, den AHV Göttingen zum 31. Dezember 1987 aus dem VASV auszuschließen, falls er nicht bis dahin seine Satzung in Übereinstimmung mit der VASV-Satzung gebracht hat. Auf einem außerordentlichen Vertretertag des VASV am 19. Dezember 1987 in Würzburg wurde Göttingen mit dem einstimmigen Votum aller Altherrenverbände bis zum 31. März 1988 noch einmal die Gelegenheit gegeben, durch die Neugründung eines Vereins Alter Herren (VAH) im VASV zu verbleiben.

Mittlerweile konnte sich der aktive SV über die Reaktivierung der Verbindungen in Münster und Berlin freuen; die Studentengruppe 69 in Frankfurt konnte sich jedoch nicht länger am Leben halten.

Insgesamt zeigte sich in den letzten Jahren überwiegend ein Aufwärtstrend, was die Mitgliedersituation in den Verbindungen und auch das korporative Interesse angeht. Hiermit eng verknüpft ist ein wachsendes Zusammengehörigkeitsgefühl im SV, das sich durch eine nie gekannte Reisefreudigkeit der Verbandsmitglieder ausdrückt. Die SV-Veranstaltungen Musikwochenende, Pfingstsegeln, Rallye, Skipokal und Theaterwochenende sind gut besucht.

Aus Anlaß des 120jährigen Bestehens des SV sollte wiederum ein Verbandsfest stattfinden. Aus organisatorischen Gründen wurde es in das Jahr 1988 gelegt und im Hinblick auf die Spannungen durch die noch ungelöste Damenfrage in kleinerem Rahmen als die vorangegangenen Feste konzipiert; an dem "Kleinen SV-Fest" in Lorsch an der Bergstraße nahmen dann ungefähr 300 SVer teil.

Während dieses SV-Festes erschien die 1. Auflage des SV-Handbuches, die unter Federführung von Vbr. Peter Friedrich Haberkorn (M1, INN) von den SV-Präsiden der Jahre 1985-1987 herausgegeben wurde. Das Handbuch fand großen Anklang und erfuhr, auch von Seiten anderer Korporationsverbände, sehr positive Kritiken.

Der VASV ehrte in den Jahren 1987 und 1988 zwei seiner verdientesten Verbandsbrüder mit der neugeschaffenen „SV-Ehrennadel in Gold“: zunächst AH Harro Braun (M1, INN), der seit der Wiederbelebung des SV nach dem 2.Weltkrieg in verschiedensten Funktionen für den Verband tätig war, und dann AH Dieter Costard (HH, Gre) als Verwalter der Entwicklungshilfe und langjähriges Mitglied im VASV-Vorstand.

Weitersagen