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Jahrgang 112 Nr. 2 (2010)

Geschichte des Sondershäuser Verbandes

Bis zum kleinen SV-Fest 1994 in Sondershausen

Die Jahre seit 1988 haben dem Sondershäuser Verband erneut einschneidende Veränderungen gebracht. Wichtigstes äußeres Merkmal war die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. Schon in den Monaten davor waren erste Kontakte nach Sondershausen geknüpft worden, die es ermöglichten, am 10. November 1990 zum ersten Mal wieder einen SV-Vertretertag in der „Heimatstadt“ des SV abzuhalten. Im Rahmen des Musikwochenendes 1991 fand eine SV-Matinee im Achteckhaus am Sondershäuser Schloß statt, und der aktive SV beschloß 1991, seinen Vertretertag in regelmäßigem Turnus alle zwei Jahre in Sondershausen durchzuführen.

Der VASV richtete in seinem erweiterten Vorstand den Posten eines Beisitzers für Sondershausen ein, der von AH Werner Holzberger (GÖ) wahrgenommen wird. AH Holzberger organisierte umgehend die Restaurierung des 1929 errichteten SV-Ehrenmals auf dem Plateau der Hainleite am Rondell in der Nähe des Possen, das im Rahmen einer Gedenkstunde während des SV-Vertretertages 1991 neu eingeweiht wurde.

Schon bald nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze wurde der Versuch begonnen, ehemalige SV-Verbindungen an ostdeutschen Universitäten wiederzubeleben. Als erstes konstituierte sich ein neuer AHV Arion Dresden, und ein kleiner Kreis von Studenten an der Dresdener Universität konnte an den Verband herangeführt werden, die sich 1992 dank des Engagements der Verbandsbrüder Karl-Heinz Hönes (S, DD) und Otto Vitzthum (ER, DD) als AMV Arion Dresden konstituierten. Ebenso gelang es aber auch in Regensburg auf Initiative von Vbr. Franz Brenner (R), die AMV Regensburg wiederzugründen, die dann 1993 auf dem Vertretertag in Innsbruck endgültig in den SV aufgenommen wurde.

AH Dietrich Heinemann (MS), der seit 1976 das SV-Pfingstsegeln organisiert, verlegte den Segelort unmittelbar nach dem Zusammenbruch der DDR nach Plau am See in Mecklenburg, wo seit 1991 vom Segelschulhafen Plau aus das Pfingstsegeln stattfindet.

Schon bald nach dem SV-Fest in Lorsch begannen die Vorbereitungen für ein großes Verbandsfest zum 125-jährigen Bestehen des Sondershäuser Verbandes. Als Festort wurde Mannheim ausgewählt, und der 2. Vorsitzende des VASV, AH Dr. Reinhard Lenz (M1), übernahm die Organisation. Am Pfingstwochenende 1992 feierten ungefähr 850 SVer im Mannheimer Rosengartenzentrum das Jubiläum des Verbandes. Pünktlich zu diesem besonderen Ereignis erschien die von Vbr. Gerhard Seher (MS) verfaßte SV-Chronik „125 Jahre Sondershäuser Verband“. Zu diesem Fest war eigens eine Delegation aus Sondershausen unter der Leitung von Bürgermeister Kreyer nach Mannheim angereist, die während des langen und fröhlichen Kommerses am Samstagabend dem SV-Präsiden, Vbr. Gerhard Seher (MS), ein Sondershäuser Stadtwappen als Geschenk überreichte.

Zwar war das Mannheimer Verbandsfest von Seiten der Alten Herren nicht so gut besucht worden, wie es sich die Organisatoren erhofft hatten, aber die fröhliche Festatmosphäre legte doch mit einen Grundstein für wichtige Entscheidungen, die der Verband in den kommenden Monaten traf. Zunächst tagte der Vertretertag 1992 des aktiven SV wieder in Sondershausen und nahm dort wesentliche Satzungsänderungen vor, die die Gleichstellung der Studentinnen im Verbandsleben betonen, gleichzeitig aber jedem Bund eine individuelle Entwicklung auf der Grundlage der jeweils eigenen Traditionen und Überzeugungen garantieren. In diesem Sinne wurde auch das SV-Präsidium den Verbandsschwestern zugänglich gemacht, die nun das Amt eines der beiden Stellvertreter bekleiden können (denn gleichzeitig wurde beschlossen, zusätzlich zum Kassenwart (SV-xx) nun auch den Schriftwart (SV-xxx) zum Stellvertreter des SV-Präsiden zu erheben).

Bei der anschließenden Wahl des SV-Präsidiums für das Jahr 1993 konnte so neben die Vbr. Felix Gunkel (MR, SV-x) und Günter Hölscher (MR, MS, SV-xx) mit Ute Insa Balshüsemann (MR, S, SV-xxx) erstmals eine Verbandsschwester in das SV-Präsidium berufen werden. Daß diese Wahl das Votum aller Delegierten erhielt, zeigt, in welchem Maße das Verbandsleben von Konstruktivität und Toleranz geprägt war.

Auch der VASV bewegte sich auf eine Entscheidung in der Damenfrage hin. Ein Antrag des AHV Freiburg auf Streichung des Männerbundprinzips aus der Präambel der VASV-Satzung hatte zur Einsetzung einer Kommission geführt, die einen konsensfähigen Vorschlag zur Satzungsänderung erarbeiten sollte. Dieser Vorschlag ermöglichte die Aufnahme philistrierter Damen in die Altherrenverbände der gemischten SV-Bünde – und empfahl damit die Streichung des Männerbundprinzips; im Gegenzug erweiterte er das Gestaltungsrecht der einzelnen Verbindungen und ergänzte den VASV-Vorstand um einen 2. stellvertretenden Vorsitzenden. Dieser Vorschlag wurde von einem außerordentlichen VASV-Vertretertag am 5. Juni 1993 in Marburg einstimmig angenommen.

Auf einem zeitgleich in Marburg abgehaltenen außerordentlichen Vertretertag übernahm der aktive SV die veränderte Präambel der VASV-Satzung. Beide Verbände verpflichteten sich, Änderungen im wesentlichen Gehalt des Verbandslebens nur gemeinsam vorzunehmen. Mit der gemeinsamen Verabschiedung einer Erklärung für die Zukunft des SV zog der Verband einen Schlußstrich unter die Debatte um die Damenfrage, die den SV in 22 Jahren mehrfach an den Rand der Spaltung getrieben hatte.

Der Sondershäuser Verband konnte nun unbelastet in die vor ihm liegenden Jahre gehen und sich auf die eigentlichen Fragen des Verbandslebens konzentrieren.

Im folgenden standen nun vor allem die Werbung neuer Mitglieder, die Vermittlung von Kenntnissen an junge Aktive und die Gestaltung des musischen und korporativen Lebens im Vordergrund. In diesem Sinne wurde auf dem Vertretertag 1993 in Innsbruck nach langer Zeit wieder eine Fuxmajor-Tagung abgehalten, die sich mit Fragen der Werbung und Informationsweitergabe an Jungaktive beschäftigte. Diese Veranstaltung fand von allen Seiten großen Zuspruch, deshalb wurde die zweijährliche Einberufung einer Fuxmajor-Tagung beschlossen.

Pfingsten 1994, zum 100. Jahrestag des ersten Kartellfestes (1894 in Sondershausen), beging der Verband zum ersten Mal nach Öffnung der innerdeutschen Grenze wieder ein Verbandsfest in Sondershausen. Erstmals hauptsächlich von aktiven SVern unter der Leitung von Verbandsbruder Felix Gunkel (MR, SV-x 1993) organisiert stand es ganz im Zeichen des Theaterspiels.

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