Der SV stellt sich vor

Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) ist ein Dachverband musischer Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich, die gemeinsam singen, musizieren und Theater spielen. Ihm gehören derzeit 24 farbenführende Verbindungen an, die überwiegend zugleich Frauen und Männer aufnehmen.

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Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen grenzt sich deutlich von rechten Burschenschaften ab

Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen grenzt sich deutlich von rechten Burschenschaften ab

 

„Es ist an der Zeit, dass wir als bunt gemischter, musischer studentischer Dachverband gegenüber rechten Burschenschaften deutlich Position beziehen und klar machen: so wie die, sind wir nicht,“ so der Vorsitzende des „SV“ Philipp Höhn an diesem Donnerstag in Marburg. „Es ist nicht länger hinzunehmen, dass unser liberales Selbstverständnis als unpolitischer, konfessionell nicht gebundener Verband verhindert, dass wir uns öffentlich gegen die aktuellen Entwicklungen im Verband „Deutsche Burschenschaft“ stellen und einigen Verirrten überlassen, das öffentliche Bild von Studentenverbindungen zu prägen.“

 

„Mitglied in einer Studentenverbindung zu sein ist nicht gleichzusetzen mit männlichem, weißen, christlichen Konservatismus,“ so Philipp Höhn weiter. „Unser Verband besteht aus Männern wie Frauen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung. Unsere Mitglieder treffen sich um gemeinsam zu musizieren, Theater zu spielen und in lockerer Runde über Generationen- und Städtegrenzen hinweg Spaß an Kreativität und alle denkbaren Formen der Kunst zu leben. Als mittlerweile 145 Jahre alter Verband pflegen wir studentische Traditionen wie Kneipen und den Lebensbund, den wir als Gemeinschaft, auch über die eigene Studienzeit hinaus, verstehen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserer Kombination aus Tradition, künstlerischer Kreativität und Weltoffenheit auch im Jahr 2012 junge Menschen für unsere Idee begeistern können. Das zeigt sich nicht zuletzt auch hier in Marburg, wo unsere AMV Fridericiana in jedem Semester neben einem wöchentlich stattfindenden Chor und einem Tanzkurs an die 270 Personen zu ihren Theateraufführungen begrüßen darf.“ 

 

 

Der Sondershäuser Verband Akademisch-Musikalischer Verbindungen (SV) ist ein seit 1867 existierender Dachverband musischer Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich. Ihm gehören derzeit 24 aktive Verbindungen, Bünde, Vereine und Gemeinschaften mit insgesamt rund 3.700 männlichen wie weiblichen Mitgliedern an. Am vergangenen Samstag, den 10. November 2012, hatte sich der Vertretertag des damit größten musischen universitären Verbandes des Landes einstimmig bei wenigen Enthaltungen in der sog. „Münsteraner Erklärung gegen politischen Extremismus“ für eine öffentliche Stellungnahme zu diesem Thema ausgesprochen.

 

Es folgt die Münsteraner Erklärung gegen politischen Extremismus im Wortlaut, wie sie durch den SV-Vertretertag am 10. November 2012 in Würzburg verabschiedet wurde:

 

Münsteraner Erklärung gegen politischen Extremismus

 

Präambel: Sondershäuser Verband akademisch-musikalischer Verbindungen

Der Sondershäuser Verband akademisch-musikalischer Verbindungen (SV) begrüßt die Initiative des Unitas-Verbands vom 19. Mai 2012, ein Zeichen gegen jeglichen politischen Extremismus zu setzen, für die Stärkung der Demokratie in Deutschland einzutreten und alle studentischen und akademischen Verbände sowie dachverbandsfreie einzelne Kooperationen einzuladen, die Erklärung ebenfalls zu unterzeichnen.

 

Der SV versteht sich als ein Dachverband musischer Studentenverbindungen in Deutschland und Österreich, die gemeinsam singen, musizieren und Theater spielen. Ihm gehören derzeit 24 farbenführende, nicht-schlagende Verbindungen, Bünde, Vereine und Gemeinschaften an, die überwiegend zugleich Frauen wie Männer aufnehmen. Als musischer Dachverband verbinden wir Menschen über Generations- und Stadtgrenzen hinaus, bieten ihnen Möglichkeiten mit unterschiedlichsten Formen von Kunst in Kontakt zu kommen und fördern damit Kreativität und nicht zuletzt ehrenamtliches Engagement.

 

Der Sondershäuser Verband steht für ein tolerantes, pluralistisches, verantwortungsvolles Miteinander der Mitgliedsverbindungen im akademischen Geiste und in der Liebe zu Kunst und Musik und spricht sich, auf dem Boden des bundesdeutschen Grundgesetzes, klar gegen jegliche Form von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, sexueller Identität, Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft, Glaube, religiöser oder politischer Anschauung aus.

 

 

Münsteraner Erklärung: Studenten- und Akademikerverbände stärken die Demokratie

Seit jeher waren Universitäten nicht nur Horte des Wissens, sondern auch Orte, an denen die Jugend zur Ausbildung für ihr späteres Wirken in Gesellschaft und Staat zusammenkam. Von überall her strömten Studenten an die Hochschulen und organisierten sich in Gruppen, den Ursprüngen der heutigen Studentenverbindungen. Diese entwickelten sich zum tragenden Element des studentischen Lebens an den Hochschulen und waren Heimat für die Neuankömmlinge.

 

Studentische Vereinigungen waren jedoch immer auch geistige Kinder ihrer Zeit und somit unmittelbar und mittelbar an den geistigen, politischen und auch revolutionären Strömungen jeder Epoche beteiligt. Sie trugen Aufklärung und Romantik wie Nationalismus und Liberalismus. Sie spiegelten den bürgerlichen Konservatismus um 1900 gleichsam wie die innere Zerrissenheit des Nachkriegseuropas in der Weimarer Zeit wider.

 

So bot die Studentenschaft an den deutschen Hochschulen der nationalsozialistischen Gesinnung einen fruchtbaren Nährboden. Aber wie in allen anderen Schichten der deutschen Bevölkerung entwickelte sich in der Studentenschaft und in den studentischen Korporationen auch Widerstand. Es gab in den studentischen Verbindungen Unterstützer, Mitläufer und Gegner des Nationalsozialismus.

 

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges befanden sich die Korporationen ebenso wie die gesamte Gesellschaft im Wiederaufbau. Man besann sich neu auf die bewährten Werte und geistigen Traditionen der christlichen oder humanistisch-aufklärerischen Ursprünge. 

Die akademischen Studentenverbände verstehen sich als Gemeinschaften, die den Studenten Heimat sein und zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beitragen wollen: Vernunft und Recht sowie basisdemokratische Organisation sollen junge Menschen zu verantwortungsbewussten Mitgliedern unserer demokratisch verfassten Gesellschaft erziehen. Im Hinblick auf Europa als unsere geistige Heimat sollen sie zu Weltoffenheit und Toleranz angeleitet werden. Sie sollen dazu bereit sein, gegen jedwede Art von antidemokratischem und intolerantem Denken und Handeln deutlich Position zu beziehen. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Diskriminierung von Personen aufgrund von Abstammung, Rasse, Heimat, Herkunft und Behinderung.

 

Aus diesem demokratischen Selbstverständnis heraus wird von allen in Studenten- und Akademikerverbänden organisierten Korporationen die offene und intensive Auseinandersetzung mit Fragen der Zeit und der Gesellschaft gewünscht und gefördert. Wer hingegen im Rahmen seiner Mitgliedschaft in einer Korporation extremistische politische Standpunkte propagiert, stellt sich außerhalb der Werte und Bestimmungen seiner Korporation. Eine Korporation, die dies zulässt, stellt sich außerhalb des korporativen Gefüges und somit gegen ihre eigenen Prinzipien.

 

Die unterzeichnenden Korporationen und Verbände verpflichten sich daher, extremistischen politischen Standpunkten entgegenzuwirken und verurteilen die Anwendung jeglicher politisch motivierten Gewalt. Sie verpflichten sich gemäß ihren Prinzipien, ihre Mitglieder zu einem gesellschaftlich verantwortungsvollen Leben anzuhalten.“

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